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Die Welt der Ameisen - Harun Yahya

Die Welt der Ameisen



Willkommen in der wundersamen
Welt der Ameisen

Auf seinem Weg zur Schule kommt Omar jeden Tag am Garten des Nachbarhauses vorbei, und dort wartet er eine Weile. Ein ganz besonderer Freund wohnt in diesem Garten. Kaum jemand kennt diesen Freund, aber Omar liebt ihn sehr. Nie vergisst er, diesen kleinen Freund zu besuchen, denn er genießt diese Freundschaft. Schließlich hat er einen Freund, der intelligenter ist als sonst irgend jemand. Trotz seiner Winzigkeit kann sein Freund viele große Dinge tun. Er ist unglaublich fleißig: Alle Arbeiten erledigt er perfekt und pünktlich - gerade so, als wäre er ein Soldat in einer Armee. Er ging nie zur Schule wie Omar, doch er bewältigt dennoch erfolgreich all die vielen Aufgaben, die ihm sein Leben stellt. Nun fragt ihr euch sicher, wer dieser kleine Freund ist, oder?

Omars geheimnisvoller Freund ist eine kleine Ameise, die viele wundervolle Dinge tun kann.

Vielleicht wisst ihr noch nicht, wie intelligent und geschickt Ameisen sind. Vielleicht glaubt ihr sogar, dass sie einfache Insekten sind, die den ganzen Tag umherlaufen, ohne irgend etwas zu tun. Doch wenn ihr so denkt, irrt ihr euch ganz gewaltig, denn die Ameisen führen - wie viele andere Lebewesen auch - ein ganz besonderes Dasein.

Omar hat die Möglichkeit, mehr über das Leben seines Freundes zu lernen. Deshalb vergisst er nie, seinen Freund zu besuchen und er genießt die Schwätzchen mit ihm sehr. Omar ist sehr überrascht über die Dinge, die er von seinem Freund über die Welt der Ameisen lernt. Er möchte das, was er über die vielfältigen Talente, die Intelligenz und die vielen hervorragenden Eigenschaften seines kleinen Freundes erfährt, mit anderen Menschen teilen.

Doch was ist es, das Omar so sehr überrascht? Warum ist er so fasziniert von der Welt der Ameisen? Nun, es ist eine ganz wundersame Welt. Wenn ihr weiter liest, werdet ihr sie kennen lernen...

In derselben Zeit, in der 700 Millionen Ameisen das Licht der Welt erblicken, werden gerade einmal 40 Menschen geboren. Mit anderen Worten: Die Zahl der Ameisen, die auf der Erde leben, ist unvorstellbar viel größer, als die Zahl der Menschen.

Weber-Ameisen sind geschickte Schneider. Sie verbinden Blätter, indem sie sie an zwei Seiten zusammenziehen und sie vernähen. Auf diese Weise bauen sie sich ein schönes Haus.

Außerdem sind die Ameisen-Familien riesig groß. Eine Familie der Menschen umfasst vielleicht 3-7 Mitglieder. Doch in einer einzigen Ameisen-Familie gibt es manchmal Millionen von Ameisen, und alle wohnen in demselben Haus! Stellt euch einmal vor, ihr hättet Millionen Brüder und Schwestern, könntet ihr dann alle zusammen in einem einzigen Haus wohnen? Wie sollte das wohl möglich sein?

Doch das ist noch lange nicht alles, was Ameisen so erstaunlich macht. Obwohl Millionen von ihnen zusammen leben, haben sie nie Streit miteinander und niemals gibt es Unordnung. Sie führen ein vorbildliches Leben, in dem sich jeder an die Regeln hält.

Einige Ameisen-Familien erzeugen ihr eigenes Futter, und andere betreiben sogar kleine "Bauernhöfe", auf denen sie Tiere züchten. Genauso wie die Menschen Kühe züchten und deren Milch trinken, züchten Ameisen Läuse und nutzen deren Milch.

Hören wir einmal, was Omar über die Welt der Ameisen sagt:

Omar: Als ich meinen Freund zum ersten Mal bemerkt habe, ist mir sofort sein großer Kopf aufgefallen. Das machte mich neugierig, und ich fragte mich, warum sein Kopf größer als sein Körper ist. Ich beobachtete meinen winzigen Freund. Der große Kopf auf seinem kleinen Körper hilft ihm, als Wächter am Eingang des Nestes zu dienen. Möchtet ihr wissen, wie? Er kontrolliert, ob die Ameisen, die versuchen, das Nest zu betreten, zu seiner eigenen Familie gehören oder nicht. Wenn es Fremde sind, lässt er sie nicht hinein.

Kurz nachdem ich meinen Freund zum ersten Mal erblickt hatte, ging ich zu ihm und bat ihn, mir zu erklären, was da drinnen in seinem Nest passiert. Mein kleiner Freund verstand meine Neugier und erzählte mir darüber. Was mich am meisten wunderte, war, wie die Ameisen mit den großen Köpfen ihre Nest-Bewohner erkannten und nur sie herein ließen.

Die Ameise: Omar, ich möchte dir zuerst sagen, dass wir unsere Familien ‚Kolonien' nennen. Eine Ameise kann leicht erkennen, ob eine andere Ameise der eigenen Kolonie angehört oder nicht. Wir erkennen das, indem wir den Körper der anderen mit unseren Antennen abfühlen. Unsere Antennen sind dünne kleine Stäbe auf der Oberseite unseres Kopfes. Dank des 'Kolonie-Geruchs', den wir haben, können wir Fremde unterscheiden. Wenn wir eine fremde Ameise erkennen, dann können wir sie nicht in unser Haus lassen. Wir müssen sogar Gewalt anwenden, um sie wegzuschicken.

Türsteher-Ameisen schützen das Nest. Sie machen diese Arbeit sehr gut. Die anderen Ameisen sind auch sehr fleißig: Sie erledigen alle Arbeit, die im Nest anfällt.

Omar war überrascht über dieses perfekte Sicherheitssystem und wunderte sich, wie Fremde es wagen konnten, das Nest zu betreten. Als er diesen Gedanken seinem Freund mitteilte, lächelte dieser Omar an und sagte, es gebe noch viele andere Dinge, die ihn erstaunen würden.

Die Ameise fuhr fort: "Lass mich jetzt über das Innere unseres Nests sprechen, das dich so sehr interessiert hat. Unsere Kolonien bestehen aus einer Königin, den männlichen Ameisen, den Soldaten-Ameisen und den Arbeiter-Ameisen. Die Königin und die männlichen Ameisen erhalten unsere Art. Die Königin ist größer als wir alle. Die Aufgabe der Männer ist es, dafür zu sorgen, dass die Königin von ihnen Kinder bekommt. Die Soldaten sind für den Schutz unserer Kolonie zuständig, für die die Jagd und für das Finden neuer Nestplätze. Die letzte Gruppe besteht aus den Arbeitern. Arbeiter-Ameisen sind weibliche Ameisen, die unfruchtbar sind. Das heißt, sie selbst können keine Babys bekommen, kümmern sich aber um die Königin und ihre Babys: Sie säubern und füttern sie. Zusätzlich müssen sie auch alle übrigen Arbeiten in der Kolonie erledigen. Sie errichten neue Flure im Nest, säubern es und suchen Nahrung. Die Arbeiter und die Soldaten unterteilen sich wiederum in kleinere Gruppen. Einige von ihnen sind Züchter, andere Bauarbeiter oder Jäger. Jede Gruppe hat eine andere Arbeit. Während beispielsweise die eine Gruppe Feinde bekämpft, baut eine andere das Nest, und wieder eine andere Gruppe ist verantwortlich für das Reinigen und Ausbessern des Nestes."

Omar hörte mit Erstaunen zu und fragte seinen kleinen Freund: "Wird dir nie langweilig, wenn du die ganze Zeit am Eingang des Nests stehst? Was ist deine Aufgabe im Nest?"

Die Ameise antwortete: "Ich bin auch eine Arbeiterin, und meine Aufgabe ist es, unser Nest zu bewachen. Wie du siehst, ist mein Kopf groß genug, um den ganzen Eingang des Nestes zu verschließen. Ich bin froh, dass ich diese Fähigkeit habe, und meine Aufgabe macht mir viel Spaß. Mir wird nie langweilig; ganz im Gegenteil. Ich bin sehr stolz darauf, meine Freunde vor Gefahren zu schützen." Omar war sehr überrascht über diese Antwort. Die Ameisen arbeiteten die ganze Zeit, um anderen zu helfen, ohne an sich selbst zu denken.

Nach dem, was ihm sein kleiner Freund erzählte, verstand Omar, dass die Arbeiten im Nest perfekt zwischen den Ameisen aufgeteilt wurden. Das Leben der Ameisen war bestens organisiert, und die Ameisen schienen sehr selbstlos zu sein. Dann fragte er sich, ob sie Kämpfe untereinander austrugen, weil vielleicht einige von ihnen behaupten könnten, sie seien besser oder stärker als andere. Sein Freund sagte, so etwas käme niemals vor und fügte hinzu:

"Wir sind eine große Familie, Omar. Es gibt keine Eifersucht, keine Konkurrenz und keinen Neid aufeinander. Wir helfen uns immer gegenseitig und tun unser Bestes, um der Kolonie zu dienen. Alles in unserer Kolonie basiert auf Aufopferung. Jede Ameise denkt zuerst an das Wohlergehen ihrer Freunde und erst danach an sich selbst. Ich möchte dir ein Beispiel geben: Wenn es in der Kolonie zu wenig Futter für alle gibt, werden die Arbeiterinnen zu 'Fütter'-Ameisen und versorgen andere mit Nahrung, die sie in ihren Reservemägen gespeichert haben. Gibt es wieder genügend zu essen in der Kolonie, werden sie wieder zu Arbeiterinnen.

Ich habe gehört, dass manche behaupten, es gebe Konkurrenzkampf unter den Lebewesen in der Natur. Glaube ihnen nicht! Wir wissen sehr gut, dass wir zusammenarbeiten müssen, um erfolgreich zu sein."

Fleißige Ameisen bei der Arbeit.

Omar sagte, dass das, was ihm die Ameise über sich und ihre Kolonie erklärt habe, wohl ein sehr gutes Beispiel dafür sei. Er war freute sich, zu wissen, dass Allah sie so selbstlos, hilfsbereit und eng verbunden mit ihren Freunden erschaffen hatte. Omar nahm sich vor, von nun an auch öfter an andere zu denken, so wie es die Ameisen taten, und er wollte ein guter Mensch werden, den Allah liebt.

Es war spät geworden und Zeit für die Schule. Er erklärte seinem kleinen Freund, dass er jetzt gehen müsse, aber am nächsten Tag wiederkäme, um ihn zu sehen.

Ameisen "sprechen" miteinander durch Berührung.
Ameisen wollen Fremde nicht in ihr Nest lassen, weil dies ihre Sicherheit bedroht. Sie zögern nie, einen Kampf auszutragen, um ihr Nest und ihre Freunde zu schützen.

Am nächsten Tag ging erschien Omar wieder und wartete auf seinen kleinen Freund. Nach einigen Minuten kam er. Omar sagte, dass er die ganze Nacht ungeduldig gewartet habe, um ihn wieder zu sehen. Dann erinnerte er ihn an sein Versprechen, vom Inneren des Nestes zu erzählen. So begann die Ameise, ihm von ihrem Haus zu berichten:

"Obwohl wir winzige Tiere sind, ist unser Nest erstaunlich groß, fast wie die Unterkünfte einer großen Armee. Ein Fremder kann niemals hineinkommen. Wie du schon weißt, gibt es Wachtposten wie mich an den Eingängen. Im Inneren gibt es eine perfekte Organisation. Hunderttausende, manchmal sogar Millionen Soldaten und Arbeiterinnen führen ihre Arbeiten in organisierter Weise durch. Unsere Häuser sind im Inneren passend für die Arbeit gebaut. Es gibt spezielle Abteilungen für jede Arbeit, und diese Abteilungen sind so entworfen, dass sowohl die Soldaten als auch die Arbeiterinnen wie ich in der einfachsten Weise arbeiten können. Außerdem planen wir alles Notwendige schon während des Baus unserer Häuser. Zum Beispiel hat unser Gebäude bestimmte Räume, die nur eine begrenzte Menge Tageslicht hereinlassen. Aber es gibt auch einige Abteilungen, in denen die Energie der Sonne gebraucht wird. Wir bauen diese Abteilungen auf den oberen Ebenen, die das Sonnenlicht möglichst direkt empfangen.

Dann gibt es Abteilungen, die im ständigen Austausch miteinander stehen müssen. Wir bauen diese nah aneinander, damit die Ameisen sich leicht erreichen können. Unser Lagerhaus, in dem unsere Vorräte aufbewahrt werden, wird als eine eigene Abteilung an der Seite des Gebäudes errichtet. Die Speisekammern sind an Plätzen, die einfach zu erreichen sind. Zusätzlich dazu gibt es auch eine große Halle direkt in der Mitte des Gebäudes, wo wir uns zu bestimmten Ereignissen treffen."