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In Allem Das Gute Sehen - Harun Yahya


In Allem Das Gute Sehen


IN ALLEM, WAS GESCHIEHT, DAS GUTE SEHEN

Das "Sehen des Guten in den Dingen" ist eigentlich ein ge-wöhnlicher und oft gehörter Ausdruck. Im Verlauf des täglichen Lebens sagen die Leute häufig Dinge wie "Es muss etwas Gutes in dieser Sache stecken" oder "Es ist ein Segen von Gott".

Doch die Leute sprechen diese Weisheiten für gewöhnlich aus, ohne ihre wahre Bedeutung zu verstehen, bloß um gesellschaftlichen Bräuchen zu folgen. Die meisten erkennen den eigentlichen Sinn dieser Worte und was sie für unser tägliches Leben bedeuten nicht. Im Grunde sind die meisten ahnungslos, dass diese Worte einen wichtigen Einblick in den Sinn und Hin-tergrund der täglichen Ereignisse geben.

Fakt ist jedenfalls, dass das Sehen des Guten in allen Ereig-nissen, egal in welchen Umständen, seien sie günstig oder ungünstig, eine wichtige moralische Qualität ist, die aus aufrichtigem Glauben an Gott resultiert, und der Lebenseinstellung, die von diesem Glauben kommt. Das Verständnis dieser Wahrheit ist ein großer Segen in dieser Welt und bringt eine große Beloh-nung im Jenseits mit sich, wo man endlosen Frieden und Glückseligkeit finden wird.

Keinerlei Gefühle der Enttäuschung bei irgendwelchen alltäglichen Geschehnissen zu verspüren weist auf ein wahres Verständnis der Bedeutung von Glauben hin. Nicht das Gute in allen Dingen zu sehen und mit dauernder Angst, Sorge, Verzweiflung, Trauer oder Sentimentalität erfüllt zu sein, zeigt dagegen einen Mangel an aufrichtigem Glauben. Solch eine Geisteshaltung sollte man schnellstens ablegen. Die Freude, die aus aufrichtigem Glauben hervorgeht, sollte als ein notwendiger Teil des Leben angesehen werden. Ein Gläubiger weiß, dass Ereignisse, die auf den ersten Blick ungünstig erscheinen, einschließlich jener, die aus seinen Fehler resultieren, sich letztendlich als äußerst nützlich für ihn herausstellen können. Wenn er die Worte "Unglück", "Missgeschick" oder "wenn doch nur..." benutzt, dann nur, um eine Lehre aus einer Erfahrung zu ziehen. In anderen Worten weiß der Gläubige, dass in allem, was geschieht, etwas Gutes steckt; er lernt aus seinen Fehlern und versucht, sich zu verbessern. Wenn er wieder den gleichen Fehler begehen sollte, denkt er daran, dass alles für einen bestimmten Zweck geschieht und beschließt, das nächste Mal noch besser aufzupassen. Selbst wenn die gleiche Sache Dutzende Male vorkommen sollte, muss ein Muslim stets daran denken, dass alles einen Sinn hat. So ist das unveränderliche Gesetz Allahs. Diese Tatsache wurde auch vom Propheten Muhammad (s.a.w.s) erklärt, der sagte:

Seltsam sind die Wege eines Gläubigen, denn in jeder seiner Angelegenheiten liegt etwas Gutes, was bei keinem Menschen außer ihm der Fall ist. Wenn er etwas erlebt, was ihm Vergnügen bereitet, dankt er (Allah), also gibt es etwas Gutes für ihn in dieser Sache, und wenn er sich in Schwierigkeiten befindet und sie geduldig erträgt, gibt es auch in dieser Sache etwas Gutes für ihn. (Sahih Muslim)

Nur durch die Anerkennung, dass Allah alles für einen bestimmten Zweck erschafft, kann Frieden und Gelassenheit in die Herzen der Menschen einkehren. Diese Tatsache zu verstehen bedeutet einen großen Segen für den Gläubigen. Eine Person, die vom Islam entfernt ist, leidet an ununterbrochener Qual; sie lebt in dauernder Sorge und ängstigt sich ständig vor irgendwelchen Dingen, die vielleicht passieren könnten. Ein Gläubiger dagegen erkennt und vergegenwärtigt sich die Tatsache, dass es einen göttlichen Zweck in Allahs Schöpfung gibt.

Eine unschlüssige Geisteshaltung, das heißt, man leidet unter der ständigen Erwartung sowohl des Guten als auch des Schlechten, wird für einen Gläubigen im Jenseits eine Last sein. Sich solch einer schlichten und offensichtlichen Wahrheit wie oben beschrieben aufgrund von Desinteresse oder Faulheit nicht bewusst zu sein, wird sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits nichts als Qual hervorrufen. Wir müssen uns im Klaren sein, dass das Schicksal der Menschen von Allah vorherbestimmt wurde und völlig fehlerfrei ist. Jemand, der in allen Dingen das Gute erkennt, findet Segen und einen göttlichen Zweck nur innerhalb eines riesigen Komplexes miteinander verknüpfter Ereignisse. Obwohl sie während des Tages vielleicht viele andere Dinge beschäftigen, lässt sich eine Person von starkem Glauben, Weisheit und Gewissen niemals von Satan verleiten. Egal wie, wann oder wo ein Ereignis stattfindet, sie vergisst nie, dass es immer irgendetwas Gutes dahinter gibt. Obwohl sie vielleicht nicht fähig ist, dieses Gute sofort zu erkennen, ist das was wirklich für sie zählt ihr Bewusstsein, dass alles einen Sinn hat.

Wegen ihrer hastigen Natur sind die Leute oft nicht geduldig genug, um das Gute in den Ereignissen, die ihnen zustoßen, zu sehen. In der Folge werden sie vielleicht aggressiv und hartnäckig versuchen, etwas zu erreichen, was eigentlich gegen ihr Interesse ist und ihnen eher schaden als nutzen würde. Im Quran wird diese Tatsache folgendermaßen erklärt:

Und der Mensch erbittet Schlechtes so wie er Gutes erbittet; denn der Mensch ist voreilig. (Sure 17:11 - al-Isra')

Trotzdem muss eine Person sich bemühen, den guten und göttlichen Zweck in jedem Ereignis zu sehen, das Allah ihr beschert, anstatt hartnäckig auf Dingen zu bestehen, die ihrem Verstand günstig erscheinen und voller Ungeduld zu versuchen, diese Dinge zu erreichen. Ein Beispiel: obwohl eine Person sich sehr bemüht, einen besseren finanziellen Status zu erlangen, mag eine Änderung vielleicht nie eintreten. Eine Person, die solch eine Situation als frustrierend empfinden würde, läge falsch. Natürlich betet man zu Allah um Reichtum, der im Trachten nach Seinem Wohlgefallen ausgegeben werden sollte. Aber man muss wissen, dass wenn dieser Wunsch nicht gewährt wird, dies einen bestimmten Grund hat. Es könnte sein, dass eine Zunahme an Reichtum, der vor dem Erreichen geistiger Reife erworben wird, die betreffende Person anfällig gegenüber Satans Tricks machen würde. Vielen anderen ähnlichen Gründen, von denen die wenigsten sofort erkennbar sind oder nur im Jenseits offenbart werden, liegen bestimmte Ereignisse zugrunde. Ein Mann verpasst vielleicht eine Besprechung, die er für einen wichtigen Schritt in seiner Karriere hielt. Doch könnte er, wenn er zur Versammlung gegangen wäre, auf dem Hinweg in einen Verkehrsunfall verwickelt worden sein oder, wenn die Versammlung in einer anderen Stadt wäre, so wäre vielleicht sein Flugzeug abgestürzt.

Niemand ist gegen solche Ereignisse immun. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man im Nachhinein das Gute in einer Sache sieht, die zuerst sehr ungünstig geschienen hatte. Man sollte stets daran denken, dass man nicht immer fähig sein kann, den Sinn einer scheinbar ungünstigen Situation zu begreifen. Wir haben vielleicht nicht immer die Chance, das positive Resultat eines bestimmten Ereignisses zu erleben. Es ist gut möglich, dass Allah den göttlichen Sinn hinter manchen Ereignissen erst im Jenseits enthüllen wird. Aus diesem Grund sollte jeder Mensch, der sich seinem Schicksal hingibt und vollstes Vertrauen in Allah setzt, jedes Ereignis annehmen, egal wie gut oder schlecht es erscheinen mag, und sich immer bewusst sein, dass es in allem etwas Gutes gibt.

Es muss auch erwähnt werden, dass "das Erkennen des Guten" keineswegs bedeutet, dass man die Ernsthaftigkeit der ungünstigen Ereignisse ignoriert, indem man so tut, als ob sie nicht passiert wären oder indem man übermäßig idealistisch ist. Im Gegenteil ist ein Gläubiger dafür verantwortlich, alle geeigneten Handlungen und Methoden durchzuführen, um ein Problem zu lösen und eine Situation zu verbessern. Die Gelassenheit eines Gläubigen darf nicht mit dem Verhalten von anderen verwechselt werden, die - aufgrund eines falschen Verständnis der Thematik - gegenüber allem, was um sie herum passiert, gleichgültig und passiv bleiben und auf unrealistische Weise optimistisch sind. Solche Leute tragen eine "rosarote Brille". Sie treffen keine vernünftigen Entscheidungen oder setzen sie in die Tat um, weil sie passiv und naiv optimistisch sind, anstatt nach Lösungen für Probleme zu suchen. Wenn bei solch einer Person beispielsweise eine ernste Krankheit diagnostiziert wird, so würde sich ihre Situation mit der Zeit immer mehr verschlechtern, bis hin zur Todesgefahr, da sie in ihrer Passivität eine angemessene Behandlung vernachlässigen würde. Ein anderes Beispiel: eine Person, die es unnötig findet, ihre Wertgegenstände zu sichern, obwohl bei ihr schon einmal eingebrochen wurde, bringt sich durch ihre Nachlässigkeit selbst in die Gefahr, wieder das Opfer weiterer ähnlicher Überfälle zu werden.

Zweifellos sind solche Verhaltensweisen weit entfernt von wahrem "Gottvertrauen" und "dem Sehen des Guten in allem". Solche Einstellungen sind im Grunde nichts als Nachlässigkeit. Gläubige müssen dagegen stets ihr bestes tun, um eine praktische Lösung für eine Situation zu finden. Die Art, wie sie handeln, ist eine Form von "Verehrung Allahs". Denn wenn sie in solche Situationen verwickelt werden, denken sie immer daran, dass es allein Allah ist, der die Ereignisse stattfinden lässt.

Im Quran teilt uns Allah die Geschichten der Propheten und wahren Gläubigen als Beispiele von Menschen mit, die sich dieser Tatsache bewusst waren, und denen die Gläubigen nacheifern sollten. Die Art, wie der Prophet Hud (a.s.) seinem Volk trotz deren Drohungen gegen ihn antwortete, enthüllt seine vollständige Ergebung in Allah und sein unerschütterliches Vertrauen in Ihn.

Sie sprachen: "O Hud! Du kamst nicht mit einem deutlichen Wunder zu uns. Und wir wollen unsere Götter nicht auf dein Wort hin verlassen. Wir glauben dir nicht. Wir können nur vermuten, dass dich einer unserer Götter mit einem Übel heimgesucht hat." Er sprach: "Siehe, ich nehme Allah zum Zeugen, und bezeugt auch ihr, dass ich nichts mit den Götzen zu schaffen habe, die ihr Ihm zur Seite setzt. So macht halt allesamt euere Pläne gegen mich, und gebt mir keinen Aufschub. Siehe, ich vertraue auf Allah, meinen Herrn und eueren Herrn. Kein Lebewesen gibt es auf Erden, das Er nicht am Schopf erfasst. Siehe, meines Herren Weg ist gerade. Und selbst wenn ihr den Rücken kehrt, so habe ich euch doch überbracht, womit ich zu euch entsandt worden war. Mein Herr wird euch ein anderes Volk nachfolgen lassen. Und Ihm könnt ihr nicht schaden. Siehe, mein Herr gibt auf alle Dinge acht." (Sure 11:53-57 - Hud)