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Der Prophet Moses - Harun Yahya

Der Prophet Moses (a.s)


Fürwahr, Wir entsandten schon Moses mit Unseren Wunderzeichen:"Führe dein Volk aus den Finsternissen zum Licht und erinnere sie an die (kommenden) Tage Allahs." Siehe, darin sind wahrlich Zeichen für alle in Geduld Standhaften und Dankbaren.
(Quran 14:5)




Die Herrschaft Pharaos in Ägypten und die
Lebensbedin-gungen der Kinder Israels

Neben den Stadtstaaten Mesopotamiens ist die ägyptische Zivilisation eine der ältesten der Geschichte. Das alte Ägypten verfügte über die am besten organisierte soziale und politische Ordnung jener Zeit. Die Erfindung der Schrift um 3000 v. Chr., die Bewässerung durch den Nil, die Wüsten, die das Land als natürlichen Verteidigungsgürtel umgaben, waren die hauptsächlichen Faktoren, für diese erfolgreiche Entwicklung.

Diese große Zivilisation wurde jedoch beherrscht von einem Pharao, dessen Regierung im Quran als eindringliches Beispiel für die Irrwege der Menschen beschrieben wird. Die Menschen handelten hochmütig gegen Gott, wandten sich ab von ihm und leugneten die Wahrheit. Aus diesem Grund konnten selbst ihre überlegene Zivilisation, ihre fortschrittliche soziale und politische Ordnung und ihre militärische Stärke sie nicht vor der Vernichtung bewahren.

Die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Ägyptens fanden im Zusammenhang mit der Anwesenheit der Kinder Israels statt.

Israel ist ein anderer Name für den Propheten Jakob. Die Söhne Jakobs hatten den Stamm der "Kinder Israels" begründet, die später als "Juden" bekannt wurden. Die Kinder Israels wanderten zu Zeiten des Propheten Joseph, des jüngsten Sohns von Jakob, in Ägypten ein. Im Quran beschreibt Allah das Leben Josephs ausführlich in der Sure "Yusuf". Schon in seiner frühesten Jugend war er mit vielen, schier unüberwindlichen Schwierigkeiten konfrontiert worden und er war zahlreichen Angriffen und Verleumdungen ausgesetzt gewesen. Später Leben, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war, in das man ihn aufgrund falscher Anschuldigungen geworfen hatte, stieg er zum Finanzminister auf. Nach seiner Ernennung erfolgte eine stetige Zuwanderung der Kinder Israels nach Ägypten. Dies ist von Allah im Quran wie folgt beschrieben:

Und als sie bei Joseph eingetreten waren, zog er seine Eltern zu sich und sprach: "Betretet ägypten in Sicherheit, so Allah will!" (Sure 12:99 - Yusuf)

Dem Bericht im Quran zufolge verloren die Kinder Israels, die sicher und friedlich in Ägypten gelebt hatten, im Lauf der Zeit ihren sozialen Status in der Gesellschaft und wurden versklavt. Aus den diesbezüglichen Quranversen wissen wir, dass die Kinder Israels zur Zeit Moses in Sklaverei lebten. Wie von Allah im Quran beschrieben, erschien Moses vor Pharao als "ein Angehöriger eines versklavten Volkes". Die folgende, hochmütige Antwort Pharaos und seines Beraterstabes an Moses und Harun verdeutlicht uns dieses Tatsache:


Eine ägyptische Wandmalerei, die den Einzug der Kinder Israels in Ägypten darstellt

Und sie sagten: "Sollen wir zwei Menschen unseresgleichen glauben, zumal ihr Volk uns unterworfen ist?" (Sure 23:47 - al-Mu'minun)

Wie dieser Vers zeigt, hatten die Ägypter die Kinder Israels versklavt und sie zu ihrer persönlichen Bedienung herangezogen. Um das System der Sklaverei durchzusetzen und aufrecht zu erhalten, wandten die Ägypter verschiedene Methoden der Repression an. Die gesamte israelitische Einwohnerschaft wurde überwacht. Das Wachstum der männlichen israelitischen Bevölkerung schienen die Ägypter als Bedrohung für ihr eigenes Volk anzusehen und wurde unterbunden, während die weibliche Bevölkerung zur Fronarbeit gezwungen wurde. Jene Quranverse, in denen Allah die Kinder Israels direkt anspricht, geben ein Bild der Situation:

Und gedenkt, dass Wir euch vor dem Volke Pharaos retteten, das euch mit schlimmer Pein heimsuchte. Sie erschlugen euere Knaben und ließen nur euere Mädchen am Leben: Dies war eine große Prüfung von euerem Herrn. (Sure 2:49 - al-Baqara)

Und (denkt daran,) dass Wir euch vor dem Volk des Pharao retteten, das euch mit schlimmer Pein bedrängte und euere Söhne tötete und (nur) euere Töchter am Leben ließ. Darin lag eine gewaltige Prüfung von euerem Herrn. (Sure 7:141 - al-A'raf)

Die Religion, die Ägypten vorherrschend war, war ein Erbe der heidnischen Praktiken von Pharaos Vorfahren. Diese unrechte Religion behauptete die Existenz zahlreicher Götter. Pharao wurde zusätzlich als lebender Gott angesehen. Dieser Glaube war es, der Pharao uneingeschränkte Macht über seine Untertanen verlieh. Pharao und seine unmittelbare Umgebung sahen Moses als Bedrohung ihres Lebensstils, der ihnen durch die Religion ihrer Vorfahren gegeben war, denn nach dieser Religion war es Pharao, der alle Macht und Herrlichkeit besaß. Pharaos Vermessenheit, seine Überwachungswut, die Wahrnehmung von Moses und Harun als Rivalen werden deutlich in den folgenden Worten Pharaos und seiner Ratgeber:

Sie fragten: "Bist du zu uns gekommen, um uns von dem abwendig zu machen, was wir bei unseren Vätern vorfanden, damit ihr beide die Macht im Lande übernehmt? Wir glauben euch nicht!" (Sure 10:78 - Yunus)


Die Kinder Israels wurden durch Pharao versklavt und zu Fronarbeit gezwungen

Entsprechend der Religion seiner Vorfahren behauptete Pharao, er sei ein Gott. Er ging sogar so weit, sich als den ranghöchsten unter allen Göttern zu bezeichnen:

Wobei er sprach: "Ich bin euer höchster Herr!" (Sure 79:24 - an-Nazi'at)

Aufgrund ihrer abergläubischen Vorstellungen sahen Pharao und sein Hofstaat sich als heilige Wesen. Ihre Arroganz rührte von dem Umstand her, dass sie sich von Liebe, Fürsorge und Mitgefühl entfremdet hatten, Tugenden, die die wahre Religion als Leitlinie voraussetzt. Eine Folge ihrer Arroganz war, das sie sich in dem Recht glaubten, jede Art Grausamkeit begehen zu dürfen. Ihre Mentalität wird uns in folgendem Vers veranschaulicht:

Zu Pharao und seinen Anführern. Sie aber waren überheblich und ein hochmütiges Volk. (Sure 23:46- al-Mu'minun)

Pharao besaß einen solch großen Einfluss auf die ägyptische Bevölkerung, dass sie ihm bedingungslos folgte. Die Menschen glaubten, Pharao gehöre ganz Ägypten einschließlich des Nils:

Und Pharao ließ unter seinem Volk verkünden: "O mein Volk! Gehören das Königreich von Ägypten und diese Ströme, die es durcheilen, nicht mir? Schaut ihr euch denn nicht um?" (Sure 43:51 - az-Zukhruf)


Eine Wandmalerei, die Versklavung in Ägypten darstellt. Im Vordergrund ist Pharao mit seinem engeren Hofstaat zu sehen, im Hintergrund die Sklaven mit Stricken um ihre Nacken.

Der Nil wurde zu Recht als die Lebensader Ägyptens bezeichnet. Ägypten war vollständig vom Nil abhängig wegen der Bedeutung des Flusses für die Landwirtschaft. Er bewässerte die Felder und lieferte Trinkwasser für Mensch und Tier. Nach Überzeugung von Pharao und seines Gefolges war der alleinige Eigentümer sowohl des Wassers als auch des Landes Pharao selbst. Jedermann in Ägypten billigte seine Macht und gehorchte seinen Anweisungen.

Um die Bevölkerung zu unterwerfen und seine Macht zu erhalten, hatte er sie in unterschiedliche Fraktionen hineinmanipuliert und beherrschte all diese Splittergruppen mit Hilfe einiger Ratgeber seines Vertrauens, die selbst jeweils einer der Fraktionen angehörten. In einem Quranvers schildert Allah uns diese Situation:

Fürwahr, Pharao war überheblich im Lande und spaltete sein Volk in Klassen. Einen Teil von ihnen unterjochte er, indem er ihre Söhne abschlachtete und nun ihre Frauen am Leben ließ. Er war wirklich einer derer, die Verderben stiften. (Sure 28:4 - al-Qasas)

Zur Zeit von Moses' Geburt war Ägypten zu einem Land der Verderbtheit und der Korruption verkommen. Aufgrund von purem Rassismus wurden Menschen gefoltert und versklavt. Ohne ersichtliche Rechtfertigung erließ Pharao ein Dekret, aufgrund dessen alle neugeborenen männlichen Nachkommen seiner israelitischen Untertanen getötet werden sollten. Er verfiel in Hybris und Grausamkeit, hielt sich selbst für Gott auf Erden. Durch ein wohletabliertes System von Vorschriften und Bestimmungen konnte Pharao alles überwachen und zwang die Menschen dazu, an ihm festzuhalten.

Solche Zustände herrschten, als Moses von Allah als Botschafter gesandt wurde, der Tyrannei und Grausamkeit ein Ende zu bereiten, die Menschen daran zu erinnern, dass Allah unser Herr ist, sie die wahre Religion zu lehren und die Kinder Israels aus der Gefangenschaft zu befreien.

Moses (a.s.) Geburt

Moses wurde hineingeboren in große Not. Bereits unmittelbar nach seiner Geburt war sein Leben in Gefahr. Pharao hatte die Tötung aller männlichen Neugeborenen angeordnet, die weiblichen Nachkommen waren für die Sklaverei vorgesehen. Moses war unter diesen Umständen gezwungen, unter Sklaven zu leben, ständig mit dem Tode bedroht. Seine Mutter war in ständiger Sorge um ihn, bis sie von Allah inspiriert wurde:

Und Wir gaben Moses Mutter ein: "Säuge ihn! Doch wenn du für ihn fürchtest, übergib ihn dem Storm, und ängstige dich nicht, und gräme dich nicht. Wir werden ihn dir bestimmt wiedergeben und ihn zu einem der Gesandten machen." (Sure 28:7 - al-Qasas)

Allah instruierte Moses' Mutter, sie solle ihn in einen Korb legen und ihn den Nil flussabwärts treiben lassen, sollten die Soldaten des Pharao jemals von seiner Geburt erfahren. Weil sie sich um das Leben ihres Sohnes sorgte, tat sie, wie ihr geheißen war. Ohne wissen zu können, wohin die Strömung des Nils ihren Sohn tragen würde, legte sie ihn in einen Korb und ließ ihn forttreiben. Sie wusste aber durch die Erleuchtung, die Allah ihr hatte zuteil werden lassen, dass Moses zu ihr zurückkehren und zum Propheten werden würde. Allah der Schöpfer und Alleserhaltende, schuf Moses und seine Mutter und gab ihnen Kenntnis über ihr künftiges Schicksal. Später erinnerte Allah Moses an diese Geschehnisse seiner frühen Kindheit:

Als Wir deiner Mutter die Eingebung vermittelten: "Lege ihn in einen Kasten und wirf ihn dann in den Fluss. Der Fluss wird ihn an das Ufer treiben. Mein Feind und sein Feind wird ihn dann aufnehmen"... (Sure 20:38, 39 - Ta Ha)

An diesem Punkt sollten wir erläutern, was mit dem Begriff "Schicksal" gemeint ist. In obigem Vers instruiert Allah Moses' Mutter, das Kind dem Wasser zu überlassen und informiert sie, dass Pharao ihn finden werde und dass Moses als Gottes' Bote zu ihr zurückkehren werde. Dass Moses in einem Korb den Fluss hinunter schwimmen würde, dass er von Pharao gefunden werden würde, dass dieser für ihn sorgen würde und dass er später einer der Propheten werden würde, war im voraus festgelegt. All diese Ereignisse waren nach dem Willen Allahs vorherbestimmt und Er gab Moses' Mutter Kenntnis darüber.

Hier müssen wir einfügen, dass alle Lebensumstände Moses' von Allah vorherbestimmt waren und dass sie alle entsprechend ihrer Bestimmung eintraten. Die Erfüllung der Offenbarung, die Moses Mutter gegeben worden war, wurde nur möglich, weil zahllose Bedingungen zutrafen, die vom Schicksal vorherbestimmt waren.


Der Nil

Dass Moses den Soldaten des Pharao entkommen konnte und dass er den Palast des Pharao erreichte, ohne zu ertrinken, hing von der Erfüllung bestimmter Bedingungen ab:

1. Der Korb, in den Moses gelegt wurde, musste wasserdicht sein. Derjenige, der den Korb hergestellt hatte, musste ihn also so gearbeitet haben, dass er schwimmen konnte. Weiterhin war die Form des Korbes ein wichtiger Faktor, weil sie seine Geschwindigkeit auf dem Wasser beeinflusste; er durfte nicht zu schnell sein, weil er sonst an Pharaos' Palast vorbeigetrieben wäre und nicht zu langsam, weil er sonst irgendwo anders angetrieben worden wäre und den Palast erst gar nicht erreicht hätte. Der Korb musste genau in der Form ausgeführt sein, die ihm die passende Geschwindigkeit gab. Diese Faktoren umfassen die zahlreichen Einzelheiten, die Teil der des Schicksals jenes Zimmermanns waren, der den Korb exakt so herstellte, wie er sein musste.

2. Die Strömung, die den Korb erfasst hatte, durfte weder zu schnell, noch zu langsam sein, sondern musste genau die richtige Geschwindigkeit haben. Dies war nur möglich durch eine genaue Berechnung, wie viel Regen fallen würde, wovon abhängig war, wie viel Wasser pro Minute den Nil hinunterfloss. Diese Wassermenge gehört ebenfalls zu den komplizierten Einzelheiten des Schicksals, dass von Allah vorherbestimmt war.

3. Die herrschenden Winde müssen den Korb zusätzlich in der richtigen Weise beeinflusst haben. Die Winde wehten in Übereinstimmung mit einem genau vorherbestimmten Schicksal. Sie durften weder zu stark noch zu schwach geweht haben, auch nicht in Gegenrichtung oder aus wechselnden Richtungen, denn sonst wäre der Korb abgetrieben.

4. Einmal im Nil treibend hätte niemand den Korb finden können, es sei denn der, der ihn hätte finden sollen. Niemand sonst sollte den Korb finden oder ihn auch nur bemerken. Konsequenterweise, entsprechend einem genau festgelegten Schicksal kam niemand, der am Nil lebte, in die Nähe des Korbes oder bemerkte ihn. Tatsächlich waren all diese Umstände Teil des Schicksals, das zuvor von Allah festgelegt worden war.

5. Genau wie das Leben Moses folgte auch das Leben Pharaos und seiner Familie einem bestimmten Schicksal. Sie hatten zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um Moses finden zu können. Die Familie des Pharao hätte zu einem früheren Zeitpunkt zum Flussufer kommen können. Der Faktor, der sie genau zu jenem bestimmten Zeitpunkt dorthin kommen ließ, war ihr Schicksal.

Die obengenannten sind nur einige wenige Bedingungen, die notwendig waren, dass Pharao Moses finden konnte. Alles traf genau so ein, wie es Moses' Mutter offenbart worden war. Tatsächlich fanden alle Ereignisse, angefangen mit Allahs' Versprechen an Moses' Mutter nur statt, weil sie von Allah vorherbestimmt waren.

Die Ereignisse, die bisher berichtet worden sind, waren bei weitem nicht alle im Zusammenhang mit Moses' Schicksal. Jeder Moment seines Lebens war sorgfältig vorherbestimmt, um sein besonderes Schicksal zu erfüllen. Es war Allah, der dies bestimmte und alles entsprechend erschuf. Diese Tatsache wurde vom Propheten Muhammad (s.a.w.s) verkündet, als er sagte: "Alles existiert nur, weil es verfügt ist - selbst Unfähigkeit und Begabung." (Muslim)

Eine eingehendere Betrachtung dieser Vorgänge gibt uns eine bessere Einsicht, wie jeder Moment unseres Lebens in unser Schicksal eingebunden ist. Moses' Geschichte gibt uns in vielen Beispielen Gelegenheit, über die Bedeutung und die Implikationen seines Schicksals nachzudenken. Durch Prophet Moses' Geschichte erinnert uns Allah daran, dass das Leben jedes einzelnen, wie auch das Leben der gesamten Menschheit und des ganzen Universums eingebunden sind in das Schicksal, das Er vorherbestimmt hat. Genau wie Prophet Moses seinem Schicksal folgend den Nil hinunter trieb, so ließ das Schicksal Pharao und seine Familie an den Ort kommen, an dem sie Moses finden würden. Aus den Versen über diese Episode erfahren wir, dass Pharaos' Familie sich genau so verhielt, wie es Moses' Mutter zuvor offenbart worden war, sie nahmen Moses in ihre Obhut, ohne zu ahnen, was die Zukunft für sie bereithielt.

Und Pharaos Leute fanden ihn, damit er ihnen zum Feind und Kummer werden würde; denn Pharao, Haman und ihr Heer waren fürwahr Sünder. Pharaos Frau sprach: "Er ist mir und dir ein Augentrost. Tötet ihn nicht! Vielleicht nütz er uns (irgendwie) oder nehmen wir ihn als Sohn an"; sie waren ahnungslos. (Sure 28:8, 9 - al-Qasas)

So waren Pharao und seine Familie denn völlig ahnungslos, was das Schicksal für sie bereithielt, als sie Moses fanden und ihn adoptierten. Sie nahmen ihn auf in dem Glauben, er könne ihnen eines Tages von Nutzen sein.

In der Zwischenzeit machte sich Moses' Mutter große Sorgen um ihn, weil sie nicht wusste, was mit ihm passiert war. Damit sie dieser Situation besser gewachsen war, stärkte Allah ihr den Rücken:

Und das Herz der Mutter Moses war bar jeder Hoffnung, so dass sie ihn fast verraten hätte, wenn Wir ihr Herz nicht gefestigt hätten, damit sie den Glauben nicht verlor. Und sie sagte seiner Schwester: "Folge ihm!" Und sie beobachtete ihn aus der Ferne, so dass sie es nicht merkten. Und Wir ließen ihn von Anbeginn die (ägyptischen) Ammen zurückweisen, bis sie vorschlug: "Soll ich euch zu einer Familie führen, die ihn für euch aufziehen und sorgsam auf ihn aufpassen werden?" Und so gaben Wir ihn seiner Mutter zurück, damit ihr Auge getröstet würde und sie sich nicht grämte und wüsste, dass Allahs Zusagen wahr sind, wiewohl die meisten von ihnen dies nicht wissen. (Sure 28:10-13 - al-Qasas)

Moses weigerte sich als Baby, fremde Milch zu saugen. Allah hatte sein Schicksal dahingehend bestimmt, dass er nur Muttermilch akzeptierte. Dies wirft ein Licht auf die Tatsache, dass alles, was sich die Menschen wünschen, Teil des Schicksals ist, dass Allah für sie vorgesehen hat. Wie seiner Mutter offenbart worden war, kehrte der Prophet Moses schließlich zu seiner Familie zurück.

In der Geschichte über Prophet Moses zeigt Allah, dass er oftmals ausweglos scheinende Situationen schafft, dass Geschehnisse, die als schrecklich wahrgenommen werden, sich sehr wohl als wunderbare Segnungen erweisen können. Eine Mutter, fürchtend, ihr Baby werde von grausamen Soldaten getötet werden, überlässt das Kind der Strömung eines Flusses um es zu retten. Dasselbe Kind wird dann von der mächtigsten Familie des Landes adoptiert, die es am Ende der Mutter zurückgibt, weil es fremde Milch ablehnt... Jedes dieser Ereignisse ist ein Wunder, das die unerreichbare Perfektion des von Allah verfügten Schicksals aufzeigt. Für Gläubige erweist sich jede Einzelheit in jemandes' Schicksal später als Segen. Wie durch das oben angeführte Beispiel sichtbar wird, lässt Allah uns seine Segnungen manchmal unter vollständig unerwarteten Umständen zuteil werden.


Der Nil

Moses (a.s.) flieht aus Ägypten

Im Quran erzählt uns Allah folgendes Ereignis aus Moses' Leben:

Und er betrat die Stadt zu einer Zeit, da ihre Bewohner nicht darauf achteten. Und er fand dort zwei Männer, die miteinander kämpften, der eine von seinen Leuten und der andere von seinen Feinden. Da rief ihn der Mann von seinen Leuten zu Hilfe gegen den, der von seinen Feinden war. Moses versetzte ihm einen Faustschlag, der für ihn tödlich war. Da rief er: "Das ist ein Werk des Satans! Fürwahr, er ist ein offenkundiger Feind, der irreführt" (Sure 28:15 - al-Qasas)

Hier wird ein Vorfall beschrieben, in dem Moses Zeuge eines Kampfes zwischen zwei Männern wird. Einer der Männer gehörte seinem Volk an, der andere war sein Feind. Ohne zu überlegen, wer in der Sache Recht hatte, schlug sich Moses auf die Seite des Mannes seines Volkes und entschied den Kampf durch sein Eingreifen, was für den Anderen tödlich endete. Obwohl Moses nicht die Absicht gehabt hatte, den Mann zu töten, starb dieser an den Folgen des Schlages, den Moses ihm versetzt hatte. Der Prophet Moses besann sich und sah ein, dass er geirrt hatte.


Landkarte das alten Ägypten

Die Moral dieser Geschichte ist, dass man niemandem, der im Unrecht ist, helfen soll, auch wenn er der eigenen Fraktion angehört. Moses bezog sich auf diese, seine falsche Handlungsweise jenen Mann voreilig für rechtschaffen zu halten, nur weil er seinem eigenen Volk angehörte, als er vom "Werk des Satans" sprach.

Was hier kritisiert wird, ist in der Tat der Grund für den Hass und die Kriege unter den Menschen, die sich bis auf den heutigen Tag durch die gesamte Geschichte ziehen. Die Überzeugung des Menschen von der a priori Rechtmäßigkeit des Tuns seiner Familie, seines Volkes, seiner Kameraden oder Rasse, und seine Weigerung, anzuerkennen was im Einzelfall richtig ist, ist der Hauptgrund für allen Kampf und alle Grausamkeit in der Geschichte.

Wachgerüttelt durch sein Gewissen erkannte Moses sofort, dass seine üble Handlungsweise ihm von Satan eingeflüstert worden war, und er wandte sich sofort zu Gott und bereute. Im folgenden Vers lesen wir über Moses' beispielhafte Haltung, als er sich, durch sein Gewissen geplagt, an Allah wandte:

Er sprach: "Mein Herr, ich habe mich gegen mich versündigt! Verzeihe Mir denn!" Da verzieh Er ihm. Er ist fürwahr der Verzeihende, der Barmherzige. Er sprach: "O mein Herr! Wie Du mir gnädig warst, so will ich nie mehr ein Helfer von Missetätern sein." (Sure 28:16, 17 - al-Qasas)

Moses gestand seinen Fehler ein, entgegen geltendem Recht einen Mann nur aus dem Grund verteidigt zu haben, weil dieser seinem eigenen Volk angehörte. Jedoch war diese vorurteilsvolle Haltung durchaus üblich in Ägypten. Wenn die Ägypter von dem von Moses begangenen Totschlag erfahren würden, war es durchaus möglich, dass sie aus rassistischen Motiven Rache an ihm nehmen würden indem sie ihn töteten, und Moses überkam große Furcht.

Am nächsten Morgen war er in der Stadt, voller Furcht um sich spähend. Und siehe, jener, dem er gestern geholfen hatte, rief ihn (erneut) um Hilfe an. Da sagte Moses zu ihm: "Du bist wirklich offensichtlich fehlgeleitet!" (Sure 28:18 - al-Qasas)

Moses konnte nicht länger in der von Pharao beherrschten Gesellschaft leben. Um seine Sicherheit fürchtend, verbrachte er die Nacht auf der Hut vor möglichen Gefahren, die ihm durch Pharao und seine Schergen drohen konnten. Am nächsten Tag fand der oben beschriebene Vorfall statt; der Mann, der Moses am Vortag zu Hilfe gerufen hatte, kam mit dem gleichen Begehren wieder zu ihm, diesmal sollte es gegen einen anderen Mann gehen. Wie der Vers berichtet, erhoffte sich der Mann ein zweites Mal Hilfe von Moses, weil er ja vom selben Volk war. Moses jedoch beging seinen Fehler nicht ein zweites Mal. Er sah, dass sein Landsmann nicht im Recht war und weigerte sich, ihm zu helfen. Dieser wandte sich daraufhin sofort gegen Moses und begann, ihn zu beleidigen. Er hielt Moses den Totschlag vor, den dieser am Tag zuvor begangen hatte.

Und als er (doch) an ihrer beider Feind Hand anlegen wollte, sprach dieser: "O Moses! Willst du mich etwa totschlagen, so wie du gestern jemand totgeschlagen hast? Du willst nichts als ein Tyrann im Lande sein und keinen Frieden stiften!" (Sure 28:19 - al-Qasas)

Moses wurde nun als jemand behandelt, der einen Ägypter ermordet hatte, ungeachtet der Tatsache, dass Moses jenes Mannes' Tod nicht gewollt hatte. Pharao und seine führenden Gefolgsleute berieten über Moses' Bestrafung, und es war nicht ausgeschlossen, das er hingerichtet werden würde. Jemand, der die Beratung belauscht hatte, kam um Moses zu warnen. Als dieser von der gegen ihn gerichteten Verschwörung erfuhr, floh er voller Sorge aus Ägypten:

Da kam ein Mann vom anderen Ende der Stadt herbeigeeilt und rief: "Moses! Die Oberhäupter beraten darüber, dich hinrichten zu lassen. Darum geh weg! Ich bin dir bestimmt ein guter Ratgeber." Da ging er voll Furcht (aus der Stadt) hinaus, ängstlich umherspähend, und sprach: "O mein Herr! Errette mich vor dem ungerechten Volk!" (Sure 28:20, 21 - al-Qasas)

Diese Geschehnisse in Moses' Leben geben uns Einsicht in Moses' Charakter. Er scheint ein leicht erregbarer Mann gewesen zu sein. In jenem Kampf ergriff er sofort Partei für seinen Landsmann und tötete dessen Gegner unabsichtlich. Schließlich fürchtete er um sein Leben und floh aus Ägypten. Man kann annehmen, dass Moses generell leicht erregbar gewesen ist. Nach dem Gespräch mit Allah hingegen lernte er, nur Ihn zu fürchten und nur bei Ihm Zuflucht zu suchen. Dies ist ein sehr gutes Beispiel, wie Allah den Charakter eines Menschen stärken kann.

Flucht und Ansiedlung im Lande Madyan

Moses verließ Ägypten und Pharao, der ihn aufgezogen hatte und machte sich auf den Weg nach Madyan. (Das damalige Madyan liegt östlich von Ägypten jenseits der Wüste Sinai und entspricht heute dem Südlibanon.)

An einem Wasser in Madyan traf Moses zwei Frauen, die ihre Schafherde nicht tränken konnten, weil am Wasser andere Schäfer waren, vor denen sie sich fürchteten. Wie die Quranverse berichten, war Moses' äußere Erscheinung die eines anständigen und vertrauenswürdigen Menschen. Daher zögerten die Frauen nicht, ihn anzusprechen. Sie erklärten ihm, dass sie sich wegen der Hirten zurückhielten, sie andererseits aber die Herde ihres Vaters zu weiden hätten, der dies nicht mehr selbst tun konnte, weil er ein alter Mann war. Moses half den Frauen, in dem er ihre Schafe ans Wasser führte:

Und als er zu den Wasserquellen von Madyan kam, fand er dort eine Schar Männer (ihr Vieh) tränken. Und abseits von ihnen fand er zwei Mädchen mit ihrer Herde. Da fragte er: "Was ist los?" Sie antworteten: "Wir können die Herde erst tränken, wenn die Hirten fortgezogen sind; denn unser Vater ist ein sehr alter Mann." Da tränkte er für sie... (Sure 28:23, 24 - al-Qasas)

Diese Verse geben ein Beispiel für Moses' liebenswürdigen und altruistischen Charakter. Er nähert sich zwei Fremden, hilft ihnen und erwirbt ihre Achtung. Die anderen Männer hingegen, die hier als Schäfer bezeichnet werden, zeigten anscheinend ein vollständig gegenteiliges Verhalten zum Benehmen von Moses. Dies kann man ableiten daraus, dass die Frauen den Männern offenbar aus dem Weg gingen, sich aber nicht scheuten, mit Moses zu sprechen. Wir dürfen also vermuten, dass diese Männer unvertraulich aussahen und dass ihr Benehmen grob war. (Allah weiß am besten)

Wir dürfen weiterhin daraus schließen, dass ein Muslim unter keinen Umständen ein Benehmen an den Tag legen darf, wie diese Männer es taten, die hier als Schäfer bezeichnet werden. Muslime sollten sich Vorbilder wie Moses nehmen, der freundlich, anständig und aufrichtig war. Wie Moses' Beispiel andeutet, soll ein Muslim gute Manieren entwickeln und aufrichtig sein, Eigenschaften, die unmittelbar an ihm erkennbar sein sollten.

Wir müssen hier zusätzlich anmerken, das Moses' Charakter beispielhaft die vollständige Hinwendung zu Allah aufzeigt. Als er Ägypten, das Land in dem er aufgewachsen war, verließ und alles was ihm lieb und teuer war, zurücklassen musste, hatte er keine Vorstellung davon, was die Zukunft ihm bescheren würde. Doch Allah hatte bereits eine Reihe von Geschehnissen für ihn vorherbestimmt. Moses betete wie folgt:

…Dann zog er sich in den Schatten zurück und betete: "O mein Herr! Ich bedarf dringend, was immer Du an Gutem auf mich herabsendest." (Sure 28:24 - al-Qasas)

Jemandes' Aufrichtigkeit im Gebet beweist seine Erkenntnis, dass Allah allmächtig ist, dass alle Segnungen und alles Unglück nur von ihm kommen und dass es keine andere Hilfe und keinen anderen Schutz gibt als durch Allah. Moses' oben zitiertes, in vollkommener Hinwendung zu Allah verrichtetes Gebet ist das Gebet eines Menschen, der diese Wahrheit vollständig verstanden hat. Tatsächlich erhörte Allah Moses' Gebet und hatte Erbarmen mit ihm.

Die Gefälligkeit, die Moses den beiden Frauen erwiesen hatte, sollte sich als Beginn eines neuen Lebens für ihn herausstellen. Während Moses sich ausruhte, kam eine der Frauen zu ihm, um ihm als Dank für seine Hilfe eine Einladung ihres Vaters zu überbringen:

Da kam eines der beiden (Mädchen) schüchtern zu ihm und sprach: "Siehe, mein Vater lädt dich ein, um dir den Lohn dafür zu geben, dass du für uns getränkt hast." Und als er zu ihm gekommen war und ihm seine Geschichte erzählt hatte, sprach er: "Fürchte dich nicht! Du bist dem sündigen Volk entkommen." (Sure 28:25 - al-Qasas)

Moses hatte inbrünstig zu seinem Herrn gebetet und gewünscht, er möge ihm Gutes zuteil werden lassen. Allah erhörte Moses Gebet und als sein Leben in Gefahr war, führte er ihn zu Menschen, die ihm halfen und ihm Schutz boten. Moses hatte einen guten Charakter und man vertraute ihm, weil er sich anständig benahm. Obwohl die Frauen gegenüber den Schäfern misstrauisch waren, vertrauten sie Moses und sprachen mit ihm. Eine der Frauen bat ihren Vater sogar, Moses in seine Dienste zu nehmen, weil er stark und vertrauenswürdig war:

Da sagte eine der beiden: "O mein Vater! Nimm ihn in deinen Dienst. Fürwahr, der Beste, den du verpflichten kannst, ist der, der stark und getreu ist!" (Sure 28:26 - al-Qasas)

Mit diesen Worten machte sie ihrem Vater ausdrücklich klar, dass sie Moses für einen vertrauenswürdigen Menschen hielt. Von Moses' Vertrauenswürdigkeit überzeugt, bot der alte Mann ihm an, ihn mit einer seiner Töchter zu verheiraten. Der erkennbare Anstand Moses' war ein Hauptgrund für diese Entscheidung und der alte Mann machte Moses folgenden Vorschlag:

Er sprach: "Ich möchte dir eine von meinen beiden Töchtern hier zur Frau geben unter der Bedingung, dass du mir acht Jahre lang dienst. Und wenn du zehn vollenden willst: es steht bei dir; denn ich möchte nicht hart gegenüber dir sein. So Allah will, wirst du finden, dass ich in allem gerecht bin." Er sprach: "So sei es zwischen mir und dir. Welche der beiden Fristen ich auch erfülle, es soll mich kein Vorwurf treffen. Und Allah ist Bürge unserer Worte." (Sure 28:27, 28 - al-Qasas)

Moses nahm das Angebot des alten Mannes an - der wie wir aus dem Quran wissen, ein Rechtgläubiger war - und lebte fortan in Madyan. Allah brachte Moses also zum ersten Mal in Sicherheit, indem er die Strömung des Nils ihn zu Pharao's Palast tragen ließ ohne dass er ertrank. Dann, als sein Leben in Ägypten ein zweites Mal in Gefahr war, rettete Allah ihn erneut und führte ihn in ein sicheres Leben nach Madyan.


Wer mit Gutem kommt, der soll dafür Gute erhalten, und vor dem Schrecken dieses Tages sollen sie verschont bleiben.
(Sure 27:89 - an-Naml)

Ankunft im Tal Tuwa und erste Offenbarung

Moses erfüllte den Vertrag, den er mit dem alten Mann geschlossen hatte und blieb viele Jahre in Madyan. Am Ende der vereinbarten Zeit, als der Vertrag ausgelaufen war, verließ Moses mit seiner Familie das Land Madyan.

Unterwegs sahen sie in einiger Entfernung am Berg Sinai ein Feuer brennen. Moses überlegte sich, Informationen einzuholen von den Leuten, die das Feuer entzündet hatten oder zumindest eine Fackel von diesem Feuer zu holen.

Und als Moses die Frist erfüllt hatte und mit seiner Familie abreiste, bemerkte er an der Seite des Berges ein Feuer. Da sprach er zu seiner Familie: "Bleibt hier! Seht, ich nehme ein Feuer wahr. Vielleicht bringe ich dort für euch etwas in Erfahrung oder doch einen brennenden Ast, damit ihr euch aufwärmt" (Sure 28:29 - al-Qasas)

(Gedenke) als Moses zu seiner Familie sprach: "Siehe, ich bemerke ein Feuer. Ich will euch Kunde davon bringen. Oder ich bringe euch einen brennenden Ast mit, damit ihr euch aufwärmt." (Sure 27:7 - an-Naml)

Als er ein Feuer sah, sagte er seiner Sippe: "Haltet an! Seht, ich bemerke ein Feuer. Vielleicht bringe ich euch etwas Glut davon, oder ich finde durch das Feuer den richtigen Weg." (Sure 20:10 - Ta Ha)

Hier lernen wir einen weiteren Zug an Moses' beispielhaftem Charakter kennen. Moses ist ein sehr aufmerksamer Mensch, der gewissenhaft alles abschätzt, was um ihn herum vorgeht. Er weiß, dass Allah alle Ereignisse einem bestimmten Schicksal entsprechend stattfinden lässt. Er weiß, dass alle Dinge göttlicher Vernunft entspringen. Deswegen begrüßt Moses alle Ereignisse und Umstände in der Erwartung, aus ihnen einen Vorteil ziehen zu können. Das Bemerken des Feuers auf dem Berg und seine Einschätzung der Situation sind Verhaltensweisen, die typischerweise dem wachsamen Gläubigen eigen sind. Seine Entscheidung, allein zu gehen und seine Familie zurückzulassen um sie nicht in Gefahr zu bringen, zeugt ebenfalls von der Weisheit, die Allah ihm zuteil werden ließ.